Souverän bis zuletzt.

Die Bibel überrascht mich immer wieder. Zum Beispiel mit Psalm 22.

Dieser beginnt mit einem der sogenannten sieben letzten Worte Jesu am Kreuz. Einem Satz, der mir jedes Mal, wenn ich ihn höre, durch Mark und Bein geht: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

Die sieben letzten Worte oder vielmehr Sätze Jesu findet man übrigens über die vier Evangelien verteilt im Neuen Testament. Diese, während der Kreuzigung ausgesprochenen Sätze, sind weitaus mehr als nur so dahingesagte Äußerungen eines Todgeweihten.

Vieles von dem, was Jesus während seines Erdenlebens widerfahren ist, war erstaunlicherweise schon Jahrhunderte zuvor von den biblischen Propheten vorausgesagt worden. Teilweise findet man die Geschehnisse sogar bis ins kleinste Detail genau beschrieben.

Dass Jesus mit besagtem Satz einen Psalm Davids ausruft, war mir durchaus bekannt. Ebenfalls, dass der Psalm nicht mit der Gottverlassenheit seines ersten Verses aufhört, sondern im genauen Gegenteil endet. Aber der exakte Verlauf des Psalms, und die Tatsache, dass nicht nur ein Satz, sondern auffällig viele Details der Kreuzigung und all dem, was damit einherging, geschildert werden, war mir bis vor kurzem nicht wirklich präsent.

Ich empfehle sehr: zuerst die Geschichte auf Golgatha zu lesen – und danach den Psalm. Letzterer liest sich plötzlich wie eine Situationsbeschreibung oder, besser gesagt, wie ein Drehbuch. Und am Ende heißt es zum krönenden Abschluss: „Man wird sagen: »Der Herr hat alles vollbracht!«“

Ich dachte immer dieses doch sehr verzweifelt klingende Psalmzitat schrie Jesus damals in seiner größten Gottverlassenheit und voller Schmerz in die Welt hinaus. Doch nach genauerer Lektüre, scheint mir, dieses Zitat war eher eine Art Wink mit dem Zaunpfahl für die Umstehenden à la: „Leute, sieht zwar echt nicht gut aus, was hier gerade geschieht. Aber seid euch gewiss – alles verläuft nach Plan!“

 

Komm, sag es
allen weiter
Ordnung ist das
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Schlussstrich